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Samstag, 4. Dezember 2010

Darkroom Straßenstrich

Hallo meine Lieben,

heute muss ich mal wieder über ein ernsteres Thema berichten- gekittete Ehen und Nuttentricks hin oder her. Es gibt drei Typen bei uns am Straßenstrich, die der sogenannten Aids-Szene entstammen. Einer von ihnen ist Stricher und seit Jahren HIV-positiv. Der andere ist Kunde und ebenfalls positiv, womit er aber fairerweise uns Mädchen gegenüber sehr offen umgeht. Tja und Nummer Drei macht mich wirklich, wirklich nachdenklich. Er ist ebenfalls Kunde, so um die 30, vielleicht etwas jünger (hat so ein Babyface, da find ich das Alter schwer zu schätzen) und erzählt offen, dass er ungeschützten Sex mit uns Huren will, wobei es ihm egal ist, ob er sich dabei mit HIV oder etwas Anderem infiziert.

Ihr müsst wissen, dass die Männer, die nach ungeschütztem Sex fragen, viel seltener sind, als die Presse es gerne darstellt. Die meisten Kunden sind da ziemlich verantwortungsbewusst, genau wie die meisten Mädchen. Aber unter den Huren gibt es immer welche, die das Geld dringend brauchen und unter den Feiern immer welche, die den ganz besonderen Kick suchen. Und der heißt in diesem Fall leider: Eventuelle HIV- Infektion.

Der besagte Freier sucht sich bei jedem Besuch ein neues Mädchen aus und bequatscht es so lange, bis es freiwillig ungeschützt mit ihm ins Bett geht. Die Kolleginnen, die schon mit ihm mitgegangen sind, beschreiben ihn als vergleichsweise höflich, großzügig, aber auch sarkastisch und bitter. Ich frage mich, was diesen Typen dazu treibt, sein Ansteckungsrisiko (und das der Frauen!) so dermaßen in die Höhe zu treiben. Selbsthass? Der Extra-Adrenalinstoß beim Sex? Ich frage mich, wie sein Alltag so aussieht. Ob er nach jedem Besuch bei uns einen Test macht? Ob er froh und erleichtert ist und den Wert seines Lebens erkennt, wenn auf dem Befund mal wieder negativ steht? Oder ob er gar keine Tests macht, längst positiv ist und das Leben der Mädels riskiert, ohne mit der Wimper zu zucken. Vielleicht ist das ja der besondere Kick für ihn. Das Leben Anderer in der Hand zu haben- anderer, die so dumm oder so verzweifelt sind, sich von ihm bequatschen zu lassen.

Ich hab mal ein bißchen gegooglet und festgestellt, dass diese Sorte Russisches Roulette eigentlich sogar ziemlich verbreitet ist. In Darkrooms, wo bewusst auf Gummis verzichtet wird, gibt es nicht selten schwarze Schafe, denen es völlig egal ist, ob sie jemanden mit HIV oder Hepatitis anstecken. Und es gibt solche, denen es einfach scheißegal ist, ob sie sich anstecken. Habe einen ganz interessanten Forenbeitrag zum Thema gefunden. Bei Domian (dem besten Freund aller Huren und Frührentner ;-)) ging es wohl mal um einen jungen Mann, der die Ansteckung bewusst riskiert:

 http://www.domianforum.de/domian-das-forum/topic3559.html

Ich kann mich an die Aussage eines HIV- Infizierten erinnern, keine Ahnung ob das auch bei Domian war, der mal behauptet hat, er wisse sein Leben erst zu schätzen, seit er HIV- positiv ist. Vielleicht ist es genau das: Die Infektion als Grenze einer Welt, in der zunehmend alles möglich scheint. Die Grenze als Sicherheit und Mahnmal zugleich. Vielleicht geht es diesen Typen aber auch nur um F****n ohne Rücksicht auf Verluste.

Passt auf euch auf,
Eure GloomyFox